Wie alles begann
Mein Name ist Rudi. So heiße ich und mehr werde ich auch nicht verraten. Ich will gar nicht behaupten, dass all das, was ich im folgenden Berichten werde der Wahrheit entspricht. Halt, es ist schon wahr, es enthält vielmehr eine innere Wahrheit. Es gibt auf die Dinge des Lebens unterschiedliche Sichtweisen: ich kann alles Bierernst nehmen, so ernst, dass ich meiner Mitwelt (meiner Frau, meinen Kindern, meiner Katze, meinen Hund, meinem Kanarienvogel) damit ganz schön auf die Nerven falle. Oder ich kann alles versuchen nicht so ganz so Bierernst zu nehmen, womit ich allerdings meiner Mitwelt (siehe Liste oben) genauso auf die Nerven falle. Gut, ein Beispiel. Ich komme ins Zimmer, lächle meine Frau liebevoll an während meine Tochter gerade ihren Schokopudding über ihr Gesicht verschmiert und beginne ein Gespräch mit den Worten: „Was passiert eigentlich, wenn eine Blondine von Deutschland nach Österreich auwandert“. Spätestens jetzt verlässt meine Frau fluchtartig das Zimmer um sich Richter Alexander Holt anzusehen um ja nicht die Pointe mitzukriegen, denn es könnte mir ja tatsächlich gelingen, sie zum lachen zu bringen. Gott bewahre. Ach ja, die Pointe: Also, in beiden Ländern steigt der IQ. Ach ich liebe Witze, die gleich mehrere gebeutelte Bevölkerungsschichten eins auswischt.
Meine Geschichte beginnt in einem Hotel in der Hallertau, nahe der Autobahn A9. Ich war mit meinem Chef verabredet zum sogenannten Bewehrtungsgespräch. Das findet jedes Jahr statt und soll die Mitarbeiter motivieren, noch mehr zu verkaufen, höhere Leistungen zu erbringen und n0ch mehr Kosten einzusparen. Das mit den Kosten habe ich in den letzten Jahren ganz gut hingekriegt, denn mein Chef hat mich immer so schlecht bewertet, dass an eine Lohnerhöhung gar nicht zu denken war. Eigentlich rechnete ich mir gar nichts besonderes dabei aus. Ich musste es halt über mich ergehen lassen. Da gerade Mittagszeit war und ihn hungerte bestellten wir uns beiden ein leckeres Mittagessen. Leider entpuppte sich diese Mahlzeit, kaum das sie vor mir auf dem Tisch stand, als meine Henkersmahlzeit. Während ich das Fleisch sorgfältig zerteilte und den Knödel dazu in mundgerechte Stücke schnitt teilte mir mein Chef mit, dass die Firma sich entschlossen habe, sich von mir zu trennen. Während ich noch darüber nachdachte, wer denn nun eigentlich die Firma eigentlich sei (mein Chef, sein Chef oder irgendeine Person in irgendeiner Firmenzentrale) erzählte er mir etwas von Auflösungsvertrag und das ich den unterschreiben müsse, so habe ich wenigstens das anrecht auf eine kleine Abfindung, ansonsten gibt es durchaus Mittel und Wege, mich auch auf andere Art und Weise los zu sein. Dabei warf er wie nebenbei ein Blick auf meine Spesenabrechnung.
Als ich nach Hause kam besserte sich meine Laune auch nicht als ich feststellte, dass meine Schwiegermutter (nennen wir sie Beate, das ist kürzer und ich muss dabei nicht immer an einen gemeinen Witz denken, den erzähle ich dann morgen, wenn ich den Mut dazu aufbringe) gerade beschlossen hatte, endlich einmal unsere Wohnung aufzuräumen, denn es hat ja nie einer Zeit dazu (bis jetzt, das sollte sich allerdings bald ändern). Einer meiner hervorragendsten Eigenschaften ist, dass ich nie meinen Mund halten kann und so platzte ich gleich mit der Neuigkeit des Tages heraus: Ich verliere meinen Job. Was tat mein geliebtes Eheweib: Sie lief zu ihrer Mutter, meiner Schwiegermutter und erzählte ihr die ganze Misere (ohne natürlich die ganzen Zusammenhänge zu wissen). Und Beate legte gleich los: Ja was fällt dir denn ein, das geht doch nicht, ihr müsst das Haus verkaufen (gegen eine andere Wohnung hätte ich gar nichts einzuwenden), du findest doch nie mehr eine Arbeit (das glaubte ich nun dann wieder nicht, wenn ich so an unseren Haushalt denke brauchte ich mich um Arbeit sicher nicht sorgen). So ging es etwa eine Stunde weiter, während ich krampfhaft überlegte, was ich jetzt tun sollte.
Ich fing in den nächsten Tagen an, Bewerbungen zu schreiben. Führte ein paar Bewerbungsgespräche, kam aber nicht weiter. So stehe ich jetzt hier und kann nicht anders als die Kontrolle über unsere chaotischen Haushalt zu übernehmen.
Dieser Eintrag wurde am März 23, 2008 um 1:06 erstellt und unter Alltagsleben mit Tags Arbeitslosigkeit, Eheprobleme, Hausmann, Humor, neues Leben abgelegt. Du kannst die Antworten auf diesen Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. Du kannst antworten oder einen Trackback Deiner eigenen Seite veranlassen.
März 27, 2008 um 9:04
Hallo Rudi,
) … und wer weiß, vielleicht wird ja gar noch „The Dedicated Houseman“ daraus…
ich wünsch dir alles Gute für die Zukunft und dass du diese Zeit gut überstehst! Ich werde dich hier sicher ab und zu besuchen. … Den Untertitel deines Blogs find ich im übrigen sehr originell
Liebe Grüße,
Hermine