Hospitation im Kindergarten oder: Kannst du mich mal auf deinen Schoß nehmen?

Es gibt keine Zweifel, ich nehme meine Pflichten als Hausmann und Vater durchaus ernst. So habe ich mich für heute im Kindergarten angemeldet. Es ist nämlich möglich, dass die Mütter (ja, es sind in der Regel die Mütter, die Zeiten ändern sich doch nicht so schnell) im Kindergarten hospitieren. Meine Frau hat das schon einmal gemacht, mit dem Ergebnis, dass sie ungefähr 2 Tage damit beschäftigt war auf die Unfähigkeit der Kindergärtnerinnen zu schimpfen. Ich wollte mir das ersparen, so ging ich selber. Doch der Tag fing gar nicht gut an. Ich fühlte mich nicht wohl, meine Knie zitterten und ich wäre am liebsten wieder ins Bett zurückgekrochen, doch meine neuen Chefs kennen keine Gnade: Um viertel nach 6 erschien Adrian und hinter ihm trabte Aurelia in meinen Kellerraum, den ich schon seit einiger Zeit bewohne (zu diesem Thema an einer anderen Stelle mehr). Ich weiß nicht woher das kam. Ich weckte meine Frau, die war gar nicht davon angetan, dass sie jetzt in den Kindergarten sollte und meine Kinder waren so unglücklich, dass ich mich entschloss, doch selber zu gehen. Es ging mir auch nicht besonders bis nach dem Morgenkreis. Einige Kinder durften sich ein Fingerspiel aussuchen. Das dritte Kind wollte “Dreh dich kleiner Kreisel” spielen. Vielleicht kennen sie das: Ein Kind dreht sich und singt dazu “Dreh dich kleiner Kreisel, dreh dich immerzu” und wenn es sich ausgedreht hat deutet es auf ein Kind, dass sich danach drehen muss. Als Aurelia an der Reihe war, wurde natürlich ich ausgwählt, und das bei meinen weichen Knie. Doch es ging gut und hinterher ging es mir besser.

Aurelia hat eine Freunding, Anna. die mich sofort in ihr Herz schloss und mich genauso stark mit Beschlag belegte wie Aurelia selber. Sie wollte unbedingt, dass ich sie auf den Schoß nehme. Darüber protestierte Aurelia lautstark. Da ich zum Glück zwei Knie habe konnte ich das Problem lösen. Als dann plötzlich Adrian angetrabt kam, einen Ball vor sich herschiebend, dachte ich, dass ich jetzt ihn auch noch auf ein imaginäres drittes Knie setzen solle. Aber im Kindergarten spielt er immer den harten Mann (Marke Chuck Norris) und will weder geküsst noch sonst irgendwelche Privilegien von mir annehmen.

Ich hatte im Anschluss noch ein Gespräch mit der Kindergärtnerin. Sie klärte mich gleich mal auf, wie eine gesunde Pause auszusehen hat (Vollkornbrot, Obst, Rohkost). Nun, Adrian isst fast alles, was man ihm vorsetzt, Aurelia ist fast alles nicht, in dieser Hinsicht ergänzen sich beide wunderbar. Adrian habe große Fortschritte gemacht. Gut, vielleicht schafft er die normale Schule. Wir hatten bis vor einem Jahr enorme Probleme, die sich jetzt zu bessern scheinen. Ich will mich darüber gar nicht weiter auslassen. Ich werde, wenn es sich vermeiden lässt, meinen Sohn nicht auf die Sonderschule schicken. Dieses Thema stand bei mir auch zur Diskussion und ich wurde nicht geschickt und diese Chance soll mein Sohn auch erhalten.

Mit Aurelia werde ich mich bald bei einem Logopäden widerfinden, damit sie endlich Brot anstatt Bot sagen kann, oder Nicht anstatt Nischt. Und das ständige Saugen an ihrem Daumen sollten wir ihr auch abgewöhnen. Das hat neulich schon der Zahnarzt gemeint, wegen ihrer Form des Kiefers. Ach ja, ich wünschte mir eine Welt ohne Probleme. Und eine Welt ohne Schwiegermütter, vielleicht auch ohne Mütter.

Das bringt mich zu meinem nächsten Post.

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