Sind Sie schon Privatpatient – oder warten Sie noch?
Wenn Sie in der heutigen Zeit Kassenpatient sind, dann sind sie arm dran. Das sie auf einen Arztthermin länger warten müssen als ein privatversicherter Patient ist dabei noch das geringste Übel.
Angenommen, Sie sind Kassenpatient und suchen einen Arzt ihrer Wahl auf. Wenn der Arzt sie zu Gesicht bekommt hat er zwei Probleme: 1. er darf Ihnen nur das billigste aufschreiben und 2. er muss sie so behandeln, dass sie in diesem Quartal nicht mehr kommen, aber möglichst im nächsten.
Zum 1. Punkt: Das billigste Medikament heißt im Jargon der Pharmaindustrie ein Generikum. Das sind Medikamente, deren Patentschutz abgelaufen ist und die jetzt von anderen Firmen nachgemacht werden dürfen. Der Patentschutz für ein Medikament läuft so etwa 10 Jahre, das heißt, sie werden nach dem Standart vor von 10 Jahren behandelt. Kaufen Sie sich mal in dieser schnelllebigen Zeit einen Computer aus dem Jahre 1998, genau, würden Sie auch nicht. Der Arzt hat für jeden Patienten ein bestimmtes Budget. Das liegt für Rentner so bei ca. 120 Euro und für alle anderen um die 70 Euro. Sollten Sie in der glücklichen Lage sein ein Originalpräparat zu bekommen, dann wissen sie, was so eine 3-Monatspackung kostet, genau, gut und gerne 120 Euro. Moment. Und Sie sind noch gar kein Rentner. Das kann doch gar nicht gehen, werden Sie jetzt anmerken. Doch, kann es schon. Denn es handelt sich dabei um einen Durchschnittswert, der durchaus von dem einen oder anderen Patienten überschritten werden, nur im Durchschnitt soll es möglichst nicht überschritten werden. Er darf sein Arzneimittelbudget um 5 – 10% überziehen, liegt er darüber muss er zuerst zu einem Beratungsgespräch und im schlimmsten Fall bezahlt er das zuviel verordnete aus eigener Tasche. Und das sind keine Peanuts. Das sind schon mal Summen von 50 000 Euro. Der Arzt kann diese Summe zwar meist durch langwierige Verhandlungen und Gerichtsprozesse nach unten drücken, doch Arbeit und Nerven kostet es allemal. Bei Privatpatienten hat er all diese Sorgen nicht. Hier kann er verordnen, was er möchte. Im schlimmsten Fall (und das kann schon vorkommen) zahlt die Kasse nicht. Die Kosten bleiben in diesem Fall aber beim Patienten.
Zum 2. Punkt: Wenn Sie einen Mechaniker brauchen greifen Sie zum Telefon, er kommt, sie bekommen eine Rechnung, bezahlen ihn. Den Mechaniker dürfen sie so oft anrufen wie sie wollen, er wird sich immer über den Auftrag freuen und gerne zu ihnen kommen. Jetzt stellen Sie sich mal vor, der Handwerker würde für einen Besuch sagen wir 15 Euro bekommen, muss er im Quartal ein zweites Mal kommen dann bekommt er für die Reparatur nichts. Unglaublich!? Genauso ist die Situation bei den Ärzten. Auch die Honorare, die der Arzt für einen Patient bekommt, sind gedeckelt. Da gibt es für jedes Behandlungsbild Punkte und je nach Punktwert wird der Arzt bezahlt. Mögen Sie ihren Arzt? Wenn ja, dann kommen Sie einmal im Quartal, lassen Sie sich den Blutdruck messen gehen und kommen im nächsten Quartal wieder. Sie schonen damit sein Arzneimittelbudget, denn Sie sind ein “Verdünner”, das heißt sie benötigen kein Medikament was ihm bei einem anderen Patienten wieder mehr Spielraum verschafft. Außerdem bekommt er für Sie ein paar Euro an Behandlungskosten. Wenn er aber jetzt bei Ihnen einen zu hohen Blutdruck feststellt, dann muss er Ihnen ein Medikament verschreiben und muss sie auch zur Nachsorge einbestellen, was er in der Regel umsonst tut.
Ich selber war in den letzten 10 Jahren als Pharmareferent bei Ärzten unterwegs. Ich habe Ärzte kennen gelernt, denen würde ich nicht einmal 10 Euro leihen, aber die meisten von Ihnen üben Ihren Beruf mit Hingabe und Leidenschaft aus. Aber die Ärzte haben in der Regel auch eine Familie zu ernähren. Es sind die Privatpatienten und die IGEL-Leistungen (Leistungen, die die gesetzliche Krankenkasse nicht bezahlt, obwohl sie durchaus sinnvoll sein können) die wirklich Geld in die Kasse bringen. Wenn Sie mal ehrlich sind und sich den Arzt als Geschäftsmann vorstellen, würden Sie dann nicht auch den Privatpatienten besser betreuen, denn er sichert Ihnen das wirtschaftliche Überleben. Es wundert mich eigentlich, dass die Kassenpatienten (und ich bin auch einer) doch noch so gut behandelt werden.
Die Ärzte machen ihren Job und in den meisten Fällen machen sie ihn auch gut bis sehr gut. Wer versagt, dass sind die Politiker. Das Gesundheitssystem ist krank, nicht nur seit heute sondern schon seit Jahren. Es muss eine Reform stattfinden die alle leben lässt: die Ärzte, die Apotheker, die (Kassen)Patienten und die Pharmaindustrie.
Also: schimpfen Sie nicht auf die Ärzte, die Politik hat sie dazu getrieben.
April 2, 2008 um 11:19
Deine Beiträge sind inhaltlich gut und zeigen im Detail fundiertes Wissen, aber verdammt noch mal warum lässt Du nicht die Rechtschreibprüfung drüberfahren. Es sind auch nicht wirklich die Rechtschreibfehler als solches die mir immer wieder weh tun, sondern die Klein und Gross-Schreibung an der es fallweise mangelt. Also sei nicht der Feind deiner eigenen Arbeit. Mit lieben Grüssen Kurt
April 3, 2008 um 8:47
Hallo Kurt,
vielen Dank für deinen Hinweis. Ich habe diesen Text in Word kopiert und noch einmal überprüft. Den Text über „Ulrich Hemel“ mache ich heute abend, da er auch ziemlich oft aufgerufen wird.
Liebe Grüße
Rudi
April 3, 2008 um 10:55
Ich hoffe Du siehst mich nicht als Besserwisser, im Gegentum, ich wäre froh, wenn man auch mich auf meine Fehler aufmerksam machen würde.