Blick hinter die Fassade

Ich will versuchen hier an dieser Stelle über Susanne zu schreiben. Oft schimpfe ich auf die oder rede nicht sehr gut von ihr, einfach weil sie ein sehr schwieriger Mensch ist. Schwierig deshalb weil sie bei Stress sehr schnell agressiv wird, meist zwar nur verbal, doch das genügt und richtet manchmal nicht weniger Schaden an, als wenn ich mit Schlägen traktiert würde.
Oftmals fällt es mir schwer, wenn nicht gar unmöglich einen liebevollen Blick hinter die Fassade von ihr zu werden. Dort wird man einen verängstigten, selbstunsicheren Menschen finden, der in allen möglichen Pflichten aufgeht und nicht weiß, wo er beginnen soll.
Susanne ist gerade in der Früh oftmals gar nicht ansprechbar, will ihre Ruhe haben, sucht dann ihre Schlüssel, sieht nach, ob die Wasserhähne zu sind. 80% von dem Stress, den Susanne jeden Tag macht ist sinnlos und sie beruhigt sich meist bald wieder.
Heute abend redeten wir wohl eine Stunde miteinander. Über ihre Zulassungsarbeit, die ihr gar nicht gefällt, über 6 Exen, die sie diesen Monat noch in ihren Klassen halten muss und darüber, dass sie das Gefühl hat, doch nicht ins Gymnasium zu gehören.

Und darüber, dass sie mit unserer Beziehung (halt, ich glaube, sie sagte „meine Partnerschaft“, ein kleiner, aber vielleicht sehr wichtiger Unterschied) schon seit Jahren nicht mehr zufrieden ist. So viel ich weiß, war dass das erste Mal, dass sie überhaupt unsere Beziehung tematisierte.

Wenn das Referendariat zu ende ist, sollten wir uns mal um unsere Beziehung kümmern.

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