Ein Geständnis

Ich mache Ihnen heute ein Geständnis: Ich leide unter Ängste. Warum ich das jetzt hier so einfach gestehe und bislang darüber geschwiegen haben? Ich kann es nicht sagen, doch ich finde es ist wichtig, darüber zu reden. Ich finde es wichtig, dass man sich Probleme eingesteht und dann nach Lösungswegen sucht. Vielleicht erklärt sich auch jetzt die Unsicherheit, die aus meinem Blog gelegentlich oder ziemlich häufig eher sichtbar wird.
Ich will hier und jetzt und an dieser Stelle über eine ganz besondere Facette meiner Angst reden, nämlich den körperlichen Auswirkungen die Angst haben kann. Das ist nämlich vielen Menschen nicht klar, sie halten Angst für ein Phänomen, das sich im Kopf abspielt und das einen Menschen zögern lässt, das einem vielleicht daran hindert, ein bestimmtes Vorhaben in die Tat umzusetzen und so weiter.
Angefangen hat es, als ich noch ein kleiner Junge war, so elf Jahren. Ich lag mit einer leichten Erkältung im Bett und hatte Fieber. Ich hatte mich schon wieder erholt, ging über die Treppe empor und brach plötzlich auf der Treppe zusammen. Mein Vater sah es und brachte mich ins Bett. Ich weiß nicht mehr genau, um was es sich genau handelte, vielleicht waren es einfach noch die letzten Auswirkungen des Fiebers. Auf jedene Fall ist dieser Anfall, dieses plötzliche Zusammenbrechen mir geblieben und hat mir die nächsten Jahre ziemlich zu schaffen gemacht.
Meine Mutter ging mit mir von Arzt zu Arzt, jeder Arzt stelle fest, das ich kerngesund sei. Das komische war, dass ich nicht genau beschreiben konnte, was es eigentlich war. Ich war auch zweimal im Krankenhaus, auch hier wurde nichts gefunden. Kein Diabetes, keine Blutdrucksprobleme, kein nichts. Als ich größer wurde, wurden die Beschwerden bessser, ich begann eine Lehre und arbeitete in meinem Beruf, ganz normal.
Diese Anfälle, ich will sie ihnen kurz beschreiben, als Junge konnte ich es nicht, heute kann ich es: Es ist, als würde mein ganzer Körper sich verkrampfen und plötzlich los lassen. Meine Knie fangen an zu zittern, auch meine Arme und ich kann meine Beine nicht mehr koordinieren, kann mich (fast) nicht mehr fortbewegen. Mir wird auch sehr stark schwindlig. Auch meine Sprache leidet darunter. Das ist dann so schlimm, das ich wirklich unfähig bin, mich zu bewegen und praktisch kampfunfähig bin. Für einen Außenstehenden sieht das so bedrohlich aus, dass ich schon mehrmals im Krankenhaus gelandet bin.
Diese Anfälle, ganz waren sie nie verschwunden, nur seit etwa 1995 traten sie wieder verstärkt auf, nur kam jetzt eine Variante hinzu, die ich zuvor nicht kannte. In Fachkreisen heißt das: Agorophobie oder so ähnlich. Will heißen: Die Angst vor der Angst. Ich hatte Angst vor einer Klasse zu stehen, Angst einen Vortrag zu halten, Angst teilweise am Montag aufzustehen. Oft traten diese Anfälle am Montag auf. Mir war sehr schnell klar, dass die Angst davor diese Anfälle auslöste. Ich fand kein Mittel dagegen. Ich versuchte irgendein Muster, ein Schema zu erkennen, ich fand aber keines.
Ich habe einmal von meiner Psychotherapie geschrieben. Diese Anfälle waren der wahre Grund, warum ich mit Psychotherapie anfing.
Besonders angstauslösend sind natürlich Situationen, bei denen ich das Gefühl habe, ich darf nicht versagen, z. B. wenn ich mit meinen Kindern zusammen bin.
So, jetzt bin ich bei der Gegenwart. Seit ich für die Kinder zuständig bin, haben sich meine Ängste stark verbessert. Ich will nicht sagen, sie sind vergangen, aber körperlich geht es mir im Augenblick sehr gut (ich klopfe auf Holz).
Im Internet such man nach Informationen und nach Problemlösungen. Sie haben sich die Mühe gemacht diesen Text (der sehr persönlich geraten ist) zu lesen. Nun, wie geht man gegen Ängst vor: das Zauberwort heißt „Paradoxe Intervention“, das heißt nichts anderes: Das, vor dem ich mich fürchte muss ich ganz bewusst und immer, immer wieder aufsuchen. Mit der Zeit vergeht das Problem, vergeht die Angst. Ein Beispiel: Sie hatten einen Autounfall und seit diesem Tag fahren sie immer einen Umweg von 10 Kilometer, weil sie Angst vor der besagten Stelle haben. Sie können dieses Problem nur lösen, indem sie genau an dieser Stelle vorbeifahren. Nicht beim erstenmal und nicht beim zweitenmal, aber irgendwann wird die Angst vorbeisein. So können Sie jede Angst los werden.
Auf meinen Fall bezogen heißt das: Wenn ich mit den Kindern zusammen bin, habe ich die meiste Angst. Gerade das muss ich tun und die Angst ist, ich will nicht gerade sagen vorbei aber deutlich besser geworden.
Ich will jetzt schließen. Doch das war nur der Anfang, ich werde noch häufiger darüber berichten. Angstpatienten gibt es genug und die meisten wissen vielleicht gar nichts darüber. Ich kann Ihnen keine Patentrezepte anbieten sondern nur die Lösungen, die ich erprobt und ausprobiert habe. Ich kann Ihnen nur Ehrlichkeit versprechen und dass ich nur Dinge berichte, die wahr sind und sich auch so zugetragen haben.
Bis bald!

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s