Traumata

Ich sitze vor meinem Computer. Ich habe keine Lust zu arbeiten.  Ich höre Reinhard Mey.

Hinter mir dreht sich ein Schlüssel im Schloss. Langsam, knarrend, wie unwillig geht die Haustüre auf. Ich sitze in meinem Zimmer. Ich weiß, die Tür zu meinem Zimmer ist abgeschlossen und trotzdem habe ich das Gefühl ein ungebetener Gast könnte plötzlich in meinem Zimmer stehen.

Es ist mein Nachbar, der, mit dem ich mir eine Küche, ein Waschbecken und eine Badewanne teile. Ich habe bisher wenig mit ihm geredet, doch die wenigen Gespräche waren durchwegs freundlich.

Susanne kam in den letzten Wochen unseres gemeinsamen Getrenntlebens immer dann von mir, wenn sie irgendetwas auszusetzen hatte. Die Küche war nicht aufgeräumt, ein Schriftstück war verschwunden, die Kinder hatten keine Zähne geputzt. Sie hielt sich nicht damit auf nachzufragen, ein Lächeln aufzusetzen oder in irgendeiner anderen Weise positiven Kontakt mit mir herzustellen. Sie fing an zu schimpfen, zu toben, mich niederzubrüllen, wie sie es von Ihrem Vater in den langen Jahren ihrer Erziehung gelernt hatte.

Vielleicht steht mein Nachbar – Micha – gleich in der Wohnung, fängt an zu schimpfen, zu brüllen: Die Küche sei nicht aufgeräumt, das Bad sei schmutzig. Wann ich gedenke hier endlich einmal aufzuräumen.

Doch nichts geschieht. Er geht langsam, ruhig und gelassen die Treppe hoch, hinauf in sein Zimmer.

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