Mein heutiger Tag

Ich war heute den ganzen Tag zu Hause und schrieb meine Texte auf dem heimischen Computer. Megi schickte mir die Keywords zu. Die To-Do-Liste kam um 10, doch ich fing erst um 13 Uhr an, da ich in der Nachhilfe war. Es ging mir nicht gut und um die Wahrheit zu sagen, es geht mir auch jetzt noch nicht gut. Was fürchte ich denn am meisten? Den Tod meiner Mutter oder das nach Hause fahren, Sie in den Arm nehmen zu müssen, zu wissen, dass es vielleicht das letzte Mal ist, dass sie ihren Geburtstag nicht erleben wird. Dass Sie nicht, so wie ich es mir immer vorgestellt hatte, mit 98 stirbt, während ich schon fast 70 bin und auch schon meinem Ende entgegen sehe. Und dass meine Kinder sie nicht mehr besuchen können. Das schmerzt mich am meisten, dass die schöne Woche im August wohl die letzte gewesen sein wird. Was für ein Unglück, was für ein Jammer.

Meine Schwester schrieb mir eine SMS. Eigentlich schon gestern, doch ich habe sie heute früh erst gelesen. Ich solle sie anrufen. Sie weinte am Telefon und ich weinte mit. Die ganzen sinnlosen Streitigkeiten kramte sie hervor und wie Leid es ihr tue. Sie solle sich darüber doch jetzt nicht mehr grämen, es helfe ja doch nichts. Nach dem Telefongespräch ging es mir eine Zeit besser. Ich fuhr zur Nathalie und gab ihr Nachhilfe in Biologie. Die vielleicht schönste Stunde des heutigen Tages. Ich fuhr nach Hause, kaufte mir unterwegs einen Döner und fing an zu schreiben. Irgendwann rief eine Mutter an, sie hatten mich gestern zur Nachhilfe erwartet. Ich hatte es nicht wirklich vergessen, vielleicht verdrängt. Das Gespräch mit einem anderen Menschen, wenn auch sachlich und unpersönlich tat mir doch gut. Danach kam der ganze Jammer wieder hoch. Mit meiner Mutter und auch mit Susanne. Ich schien die Trauer wegen der Trennung schon überwunden zu haben und jetzt kam sie zusammen mit der Trauer über meine Mutter wieder hervor, wie ein Gespenst, dass sich nur im Nebel versteckt hat. Ich ging im Zimmer auf und ab. Wie ein Panther, dachte ich „es ist als ob es tausend Stäbe gäbe und hinter tausend Stäben keine Welt“. Vielleicht hat Rilke auch so gelitten, ich nehme es an, fast alle großen Dichter haben viel Leid erlebt. Vielleicht muss man das um große Literatur zu schreiben. Ich für meinen Teil wollte meinen Kopf gegen die Schranktür schlagen, wieder und immer wieder. Natürlich tat ich es nicht. Ich weinte Still vor mich hin und setzte mich wieder an den Schreibtisch und schrieb meine Texte. 250 Wörter pro Text für Artikelverzeichnisse. Ich freute mich an meinen guten Formulierungen. Ja, schreiben kann ich.

Die Einsamkeit wurde mir heute so richtig bewusst. So richtig alleine ist man nicht, wen man weiß, dass sich am anderen Ende der Telefonleitung ein Mensch befindet, der einem freundlich gesinnt ist. Meine Mutter war mir mein ganzes Leben lang freundlich gesinnt. Sie verstand oft nicht, was ich tat und versteht auch heute nicht, was ich tue aber sie sah mir zu und vertraute darauf, dass ich schon wisse, was ich tue. So gerne hätte ich sie noch ein paar Jahre mitgenommen.

Eben saß ich vor dem Telefon und wollte anrufen. Meine Mutter. Aber eigentlich wollte ich sie auch wieder nicht anrufen. Vielleicht wäre es besser einfach so zu tun, als sei sie noch am Leben. Ich fahre ohnehin nur sehr selten nach Hause, so fahre ich nicht mehr nach Hause und stelle mir einfach vor, meine Mutter ist noch am leben.

Das ist natürlich Quatsch. Ich will nur für mich und auch für meine Leser transparent machen wie man sich im Angesichts großer Trauer und unter großem Schmerz fühlt.

„Das tut so weh!“ , sagte meine Schwester und in der Tat, das tut es und ich weiß nicht, wie lange dieser Zustand andauert. Da ich im Augenblick niemand habe mit dem ich reden kann, ist dieser Blog hier mein einziger Gesprächspartner und du mein treuer Leser mein einziger Zuhörer.

Du hörst morgen wieder von mir.

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