Der Abschied

So gegen 17 Uhr fuhr mich Hans zum Straubinger Bahnhof. Vor dem Abschied hatte ich mich gefürchtet. Ich fragte mich, ob ich meine Mutter wohl jemals wiedersehen würde. Natürlich verabschiedeten wir uns mit dem Versprechen, dass ich zu Fasching wieder käme und meine Kinder mitbringen würde, doch wie wird es ihr bis dahin gehen?
Doch nun zu unserem Abschied. Das erschreckte mich und machte mich gleichzeitig neugierig. Sie bedankte sich förmlich für meinen Besuch, als sei ich ein Bekannter von ihr, den sie flüchtig vom Tanzen her kennt. Zum Abschied gab sie mir die Hand. Ich umarmte sie, doch sie blieb merklich kühl.
Ich verstand das zunächst nicht. Auf der Fahrt nach Straubing grübelte ich darüber nach, was wohl los sei.
„Du musst an dich und an deine Kinder denken!“, hatte meine Mutter gesagt. Sie war erschrocken, als sie mich so weinen sah. Ich war meiner Mutter in den letzten Jahren vielleicht etwas kühl erschienen und ihr war wohl nicht klar, wie sehr ich sie liebe und das meine Mutter für mich Heimat bedeutet. Ein Platz, wo man zurückkehren kann, ganz gleich, was man verbrochen hat, ein Mensch, der beobachtet und mich nicht verurteilt, so wie ich es so oft in meinem Leben erleben durfte.
Ich glaube, sie wollte mich nicht weinen sehen. Sie hat Angst, dass ich mich mehr um sie sorgen würde als um mich und darüber meine Arbeit, meine Kinder vernachlässigen würde.
„Sorge dich nicht um mich. Kümmere dich um deine Arbeit!“ , sagte meine Mutter zu mir am Telefon, bevor sie ins Krankenhaus kam

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