Der Tod meiner Großmutter

Es tut mir leid, dass mein Blog zur Zeit ein wenig Morbide anmutet und mein hauptsächliches Thema der Tod ist. Wer aber vom Tod im Augenblick so berührt wird wie ich, der wird es verstehen, dass man die Geister der Toten und die Geister der Vergangenheit aus allen Winkel und Ecken hervorkriechen sieht.
Ich wollte von meiner Großmutter schreiben. Von der Mutter meiner Mutter, die vor etwa 34 Jahren starb. Sie war etwas älter als meine Mutter jetzt ist. Ich erinnere mich noch sehr gut daran. Ich sehe das Bild vor mir. Ich war wütend, weil meine Mutter traurig war. Meine Mutter war traurig, weil es ihrer Mutter schlecht ging und sie vielleicht sterben musste und ihre Schwägerin hatte ihre Mutter zu einer anderen Tochter abgeschoben. Eine todkranke Frau musste einige Kilometer mit dem Auto gefahren werden, nur weil ihre Schwiegermutter sie nicht pflegen wollte.
Der Tod kam meiner Großmutter im Herbst 1977 sehr nahe. Meine Tante, meine Mutter und ich fuhren nach Regen um sie zu besuchen. Damals, als kleiner Junge hatte der Tod nichts schreckliches an sich. Ich empfand ihn als normal. Man lebte, wurde alt und dann starb man. So war der Lauf der Welt und ich machte mir darüber keine Gedanken. Ich war auch am Sterbebett meiner Oma. Eine alte Frau, das Gesicht voller Falten und eingefallen lag sie da und starrte an die Decke. Meine Tante sagte mir (oder meine Mutter) ich solle sie im Gesicht streicheln, das gefiele ihr. Das tat ich auch. Ich fuhr dann am Abend mit Tante Kuni zurück nach Mitterfels. Ich wollte mir unbedingt einen Film ansehen. „Die Toten Augen von London“, einen Edgar Wallace Film.
Meine Oma starb und Anfang November war die Beerdigung. Wir standen um das Grab herum und froheren. Es kam kein Pfarrer, meine Oma war bei den Zeugen Jehovas. Ich weiß nicht, wer die Grabrede hielt. Mein Großvater stand dabei und murmelte nur immer wieder „Rosa, Rosa“ und wurde von einem seiner Söhne gestützt. Mein Großvater starb 8 Jahre später. Er war übrigens nicht bei den Zeugen Jehovas, was in den letzten Ehejahren immer wieder zu Spannungen zwischen den Eheleuten führte. Da meine Oma viel bei ihrer Tochter Maria (Maral wie sie genannt wurde) war entfremdeten sich die beiden alten Leute zusehends. Meine Mutter erzählte mir immer, dass es zwischen ihren Eltern nie Streit gegeben habe, bis in den letzten Jahren eben.
Ich habe das hier erzählt, weil ich in den letzten Tagen immer wieder daran denken musste. Es ist jetzt über 30 Jahre her, jetzt ist meine Mutter dran und in 30 Jahren bin dann ich dran. Wenn mich nicht auch eine tückische Krankheit zuvor hinwegrafft.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s