Gedanken an meine Mutter

Während ich an meinem Schreibtisch sitze und schreibe (in München, nicht zu Hause) liegt mein Handy neben mir. Heute Vormittag plötzlich ein surrendes Geräusch. Eine SMS. Ich zuckte zusammen. Irgendwie erwartete ich eine Mitteilung von meiner Schwester wie „Mama ist gestorben“, wie aus einem Roman von Camus. Doch es war nur Werbung. Heute beschäftigt mich meine Mutter immer wieder. Sie schob sich in meine Gedanken während ich schrieb, auf der nach Hause fahrt von München. Später, als ich bei KFC und bei MacDonalds saß und mein Buch las.

Immer wieder stellte ich mir die Frage, ob ich dankbar sein soll für die Zeit, in der wir sie hatten oder ob ich wütend sein soll, dass sie uns jetzt schon genommen wird und keine zwanzig Jahre mehr lebt. Dass der Tod so plötzlich, so umbarmherzig und mit solcher Gewalt zuschlägt ist für mich eine schreckliche Erfahrung. Meine Mutter wird durch ihren Tod in meinem Leben keine Lücke hinterlassen. An meinem Leben hat sie in den letzten 25 Jahren nicht mehr wirklich Anteil genommen. Trotzdem wünschte ich mir  sie hätte mich noch ein Stück begleitet. als eine Insel zu der ich ein oder zweimal im Jahr zurückkehren kann.

Ich kam erst nach 9 zu Hause an. Ich glaube ich wollte verhindern, dass ich noch mit Renate oder mit Hans telefonieren musste.

Der Gedanke an den Tod beschäftigt mich zur Zeit. Ich denke an den Tod ihrer Mutter, ihres Vaters, an die Eltern meines Vaters. Seinen Vater kannte ich nicht, er starb zwei Jahre vor meiner Geburt und meine Großmutter starb ich als 9 war.

Und mein eigener Tod. Wenn mich morgen ein unerwarteter Herzinfarkt niederstreckt. Wo werde ich begraben sein. Ich habe so keine Familie mehr. Durch meine Scheidung bin ich jetzt gezwungen alleine in einem Zimmer zu leben.Meine Frau kümmert sich nicht um mich. Vielleicht wäre es gut wenn meine letzte Ruhestätte in Mitterfels im Familiengrab ist, wo meine Eltern begraben liegen, vielleicht ist dort der richtige Platz für mich um meine letzte Ruhe zu finden.

Ich schrieb „Gedanken an meine Mutter“,doch eigentlich sind es Gedanken an mich, an meine eigene Vergänglichkeit. Ich stelle mir vor, ich bin in einer Warteschlange vor einem offenen Grab. Meine Mutter ist die nächste und danach komme ich.

Der Tod meines Vaters hat bei mir einiges bewirkt und war vielleicht eines der einschneidensten Ereignisse meines Lebens. Wenn er nur zwei oder drei Jahre länger gelebt hätte, dann wäre mein Leben sicherlich ein kleines Stück anders verlaufen.

Und der Tod meiner Mutter? Ich kann es nicht sagen, doch gibt es nicht irgendwo die Aussage, dass die Beschäftigung mit dem Tod uns zum Leben führt, weil uns klar wird, dass wir vergänglich sind, dass es keine Garantie für ein Leben bis weit über 90 gibt, auch wenn die Medizin erstaunliche Fortschritte gemacht hat.

Hier und heute frage ich mich: Ist es nicht an der Zeit etwas verrücktes zu machen, etwas das meinen Leben einen neuen Sinn und eine neue Perspektive gibt. Sollte dass durch den Tod meiner Mutter bewirkt werden, dann war ihr Tod nicht sinnlos.ö

Ich weiß, dass ich hier schreibe als sei sie schon Tod, doch bin ich im Herzen davon überzeugt, dass es gegen diese Krankheit kein Heilmittel gibt. Von 100 Menschen leben nach 5 Jahren vielleicht noch 4 oder 5. Meine Mutter ist schon sehr geschwächt wie mir Renate berichtete.

Ich will jetzt schließen und diese Gedanken mit ins Bett nehmen, die zugleich traurig sind aber auch eine gewisse Hoffnung beinhalten.

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