Einseitiges Feuer

Eben dachte ich an Susanne B. (nicht zu verwechseln mit meiner (Ex)Frau. Sie ging mit mir in die Berufsoberschule. Wir fuhren anfangs zusammen mit dem Zug nach Regensburg, später suchte sich jeder von uns eine Wohnung in Regensburg. Wir lernten ziemlich häufig zusammen. Susanne, Marianne und ich. Ein Kleeblatt, dessen Zusammenhalt am Ende des ersten Schuljahres ein wenig getrübt wurde. Ich hatte mich in Susanne verliebt. Sie hat es vielleicht gemerkt, doch sagte sie nichts. Sie war ab und zu in Straubing im Roxy. Ich mag Rockmusik nicht so gerne, es gab nur ein Lied, das mir gefiel, nämlich Bobby Brown goes down, von Frank Zappa (damals wusste ich nicht, wer das sang, erst vor ein paar Jahren habe ich das Lied durch Zufall wieder entdeckt),. Dieses Musikstück ist nun bis in alle Zeiten mit Susanne B. verbunden.

Irgendwann hielt ich es nicht mehr aus und ich fuhr zu ihrer Wohnung nach Oberisling, um ihr meine Liebe zu gestehen. Ich sehe mich sitzen in meinem roten Golf, vor mir eine Telefonzelle. Zu ihrer kleinen Wohnung waren es noch vielleicht fünfzig Schritte. Ich nahm meinen ganzen Mut zusammen, läutete bei ihr und sagte es ihr. Ich glaube, ich habe niemals mehr so deutlich meine Gefühle einen anderen Menschen mitgeteilt. Es war natürlich klar, dass sie kein Interesse an mir hatte und sie sagte es mir auch. Nicht verletzend, sondern freundlich und bestimmt. Ich erinnere mich, dass ich damals keineswegs enttäuscht war, irgendwie war das ein erhebendes Gefühl einen so schwierigen Schritt gewagt zu haben (ich kann das eigentlich nur mit meinem ersten Annäherungsversuch an Elfriede vergleichen). Wir unterhielten uns vielleicht noch eine Stunde miteinander und dann fuhr ich nach Hause. Mein Ziel hatte ich nicht erreicht, doch irgendwie fühlte ich mich glücklich.

Am Montag darauf hatten wir Latein. Wir saßen immer zusammen und so auch in dieser Stunde, doch fiel mir auf, dass sie weit von mir wegrückte und mich auch keines Blickes würdigte. Sie schien beschlossen zu haben, sich nicht mehr mit mir abzugeben. Diesen Zahn muss man ziehen, auch wenn es noch so weh tat, erklärte sie mir später, als ich sie wegen ihres mir unverständlichen Verhaltens zur Rede stellte. An diesem Punkt schien unser Kleeblatt zerstört zu sein. Wir drei lernten auch immer zusammen. Susanne und ich hatten ganz passable Noten in Mathe und konnte auch ohne einander ganz gut überleben, aber nicht Marianne und so drängte sie, dass wir uns wieder an einen Tisch setzten. Schließlich taten wir es auch und ich sagte irgendwann zu Susanne, warum sie nicht verstand, dass es durchaus auch Möglich ist einseitig zu lieben und wenn sie von mir nichts wissen will, dann will ich sie auch nicht bedrängen.

So ganz habe ich es dann doch nicht durchgehalten, denn irgendwann kaufte ich ihr eine kleine Blume als Ostergeschenk. „Wir wollen uns doch nicht auf einen falschen Weg begeben“, sagte Susanne zu mir und es verletzte mich ein wenig, denn wie kann man Liebe als einen falschen Weg bezeichnen.

Auch nach dem Ende unserer gemeinsamen Schulzeit habe ich sie immer wieder in ihrer Wohnung besucht. Das letzte Lebenszeichen war ein Bild von ihrem Kind. Ich antwortete auf diese Karte nicht, habe mir aber ihren Namen gemerkt, so dass ich sie heute im Netz wieder finden konnte. Sie arbeitet als Grundschullehrerin in einer Niederbayrischen Schule und da über Lehrer immer sehr gerne im Netz berichtet wird, war es für mich kein Problem sie wieder zu finden. Schön und anziehend finde ich sie immer noch.

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