Die Liebe in Zeiten der Cholera

Noch einmal zurück zu Rosi. Immer wieder gingen meine Gedanken zu der Vorstellung, dass wir uns doch noch einmal im Leben sehen würden, vielleicht sogar eine Beziehung aufbauen würden. Wie würde das weitergehen. Jetzt kann ich sie verklären, kann sie mir vorstellen, so wie sie mir gefällt, weil ich nicht mehr genau weiß, wie sie sich verändert hat. Auch weiß ich nicht, wie sie jetzt aussieht. Meine Schwester sagt zwar, dass sie sich kaum verändert hätte. Vielleicht sind ihre Lachfalten ein wenig tiefer geworden, mehr aber nicht.

Es wäre irgendwie das Thema für einen Roman. Zwei junge Menschen verlieben sich ineinander, werden durch die Eltern getrennt und treffen sich ein (halbes) Leben später, nachdem beide Pech in der Liebe hatten. Nun, Pech hatte scheinbar nur ich, denn sie ist mit ihrem Mann, meinen Nachfolger, noch beisammen. Wie leicht hätte ich es gewesen sein können. Mein Leben wäre sicherlich vollkommen anders verlaufen. Ich hätte meine Energien auf die Versorgung von Rosi und meiner Familie gerichtet und nicht darauf Abitur zu machen, Biologie zu studieren.

Wenn ich heute mit Rosi zusammenkäme, würde ich wohl feststellen, dass wir uns vielleicht an zwei Enden einer Skala befinden. Vielleicht wäre das nicht schlimm, denn eine meiner Fähigkeiten ist es, Brücken zu bauen, Differenzen zu überwinden.

Soweit wird es leider niemals kommen, denn ich denke, ich werde Rosi niemals sehen. Ich bin auch nicht imstande, irgendwie Kontakt mit ihr aufzunehmen, denn weder weiß ich, wo sie genau wohnt (vielleicht in Bogen, vielleicht immer noch in Großlintach im Haus ihrer Eltern) noch weiß ich, wie sie jetzt heißt. Manchmal stelle ich mir vor, dass sie diese Seiten ließt und sich wieder erkennt. Doch auch damit rechne ich nicht ernsthaft. Wenn ich nach meinen Studienkollegen google, dann stelle ich fest, dass selbst hochkarätige Wissenschaftler (wie Walter R. zum Beispiel) kaum eine Internetpräsenz haben. Eine Linkedinseite ohne Foto und nur mit einem nackten Namen, mehr nicht.

Vielleicht hat Rosi und ihr Mann einen Computer, ob sie aber jemals auf die Idee käme, nach mir zu googeln, das weiß ich nicht. Es bedarf nur meinen Namen und sie findet sofort ein Bild von mir und weiß, dass sie hier richtig liegt.

Die Vorstellung, dass wir vielleicht wieder zusammentreffen würden ist ein schöner Gedanke, der aber sicherlich aus meiner derzeitigen Einsamkeit geboren ist und mir nur zeigt, dass ich mich schön langsam von meinem Hintern erheben und eine neue Partnerin suchen sollte.

Die Idee, dass sich zwei Menschen, die sich als Jugendliche liebten im Alter zusammenkommen, gibt es schon. Der Roman heißt „Die Liebe in den Zeiten der Cholera“ und wurde von dem kolumbianischen Nobelpreisträger García Marquéz geschrieben. Eines meiner liebsten Bücher und vielleicht das schönste, sicherlich aber das zugänglichste Buch des weltberühmten Autors.

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