Warten auf den Klapperstorch

Bis zum Alter von sieben Jahren glaubte ich daran, dass der Storch die Kinder bringt. Mit 5 Jahren wollte ich unbedingt einen Bruder oder eine Schwester, zum damaligen Zeitpunkt war mir das Geschlecht eigentlich egal, doch das Einzelkinddasein gefiel mir nicht. Tante Kuni sagte mir, dass ich dem Storch Zuckertückchen auf das Fensterbrett legen müsse, dann würde er mich erhören und mir ein Geschwisterchen bringen. Ich tat es, die Zuckerstückchen waren am nächsten Tag weg (es regnete in der Nacht und ich glaube, sie haben sich einfach aufgelöst), ein Baby kam aber nicht.

Als meine Mutter dann schwanger war und ich sah, dass ihr Bauch immer dicker wurde hörte ich auf an den Storch zu glauben. Da mein Vater die ganze Woche in der Arbeit war, begleitete ich meine Mutter auch zum Frauenarzt nach Bogen. Allerdings war ich nicht im Untersuchungszimmer.

Kurz vor der Geburt saßen meine Mutter und ich zusammen. Ich glaube, wir weinten, weil uns klar wurde, dass sie bald ins Krankenhaus kommen würde. Meine Schwester kam als Kaiserschnitt auf die Welt, allerdings weiß ich nicht, ob meine Mutter das zu diesem Zeitpunkt wusste. Sie hatte die Nabelschnur mehrmals um den Hals gewickelt und wenn sie auf normalem Weg auf die Welt gekommen wäre, wäre sie bei der Geburt wohl gestorben. An diese Tatsache erinnerte lange ein roter Fleck, den sie am Hals hatte. Dieser wurde später wegoperiert.

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