Rosi

Hier sitze ich und beschwöre die Erinnerung an Rosi herauf, die Erinnerung an eine Zeit, die eine Generation zurückliegt. Rosi, die mittlerweile schon erwachsene Kinder hat (so viel ich weiß) und die ich zum letzten Mal vor vielleicht 25 Jahren sah. In mir ist momentan der Wunsch sehr groß, mit ihr noch einmal zu reden, zu erfahren, wie es ihr geht, was sie macht, was sie denkt und welches Leben sie führte.

Doch ich weiche ab, es ist Zeit für mich zurückzukehren in den Sommer 1982.

Die Beziehung mit Elfriede war zu Ende, doch eigentlich war es keine Beziehung. Wir haben uns nie geküsst und aus diesem Grund ist Rosi meine erste Freundin.

In Straubing war das Gäubodenfest und beim Penker in Ascha war nicht allzuviel los. Das war es immer, wenn in Straubing das Volksfest war. Erst später am Abend füllte sich das Lokal. Ich saß unten, neben der Tanzfläche und wollte gerade aufbrechen. Da sah ich einen jungen Mann zur Tür hereingehen, denn ich kann. Er war mit mir in die Berufsschule gegangen. Das Bildungsniveau in der dieser Bäckerklasse war nicht sehr groß. Auch er war in der Sonderschule, doch immerhin war er nicht aggressiv. Er setzte sich zu mir und hatte noch zwei Freunde dabei. Einer von beiden, der zugegeben ziemlich primitiv war, spielt in dieser Geschichte keine weitere Rolle mehr. Eigentlich ist auch mein ehemaliger Klassenkamerad uninteressant. Heinz, der andere Begleiter hat uns hier zu interessieren. Ich will mich jetzt kurz fassen, denn dieser Teil dient eigentlich nur als Einleitung. Ich blieb dann noch einige Zeit beim Penker und wir verabredeten uns für den nächsten Tag nach Bärndorf, das liegt in der Nähe von Bogen. Dort war jeden Sonntag Tanz. Hier an dieser Stelle muss ich meinen Lesern in Erinnerung rufen, dass ich damals in einer Bäckerei arbeitete und am Montag um halb drei Uhr morgens der Wecker läutete. Ich verstand mich aber gerade mit Heinz so gut, dass ich das gerne in Kauf nahm.

Dieser Abend steht mir vor Augen wie ein lebendiges Bild und ich sehe mich noch, wie ich nach Hause fuhr und mich auf den nächsten Abend freute.

3 oder 4 Wochen später lernte ich in Bärndorf Rosi kennen. Heinz und ich saßen zusammen an einen Tisch und unweit von uns saßen zwei Mädchen. Als die Musik zu spielen anfing, beschlossen Heinz und ich die beiden zum Tanz aufzufordern. Ich holte Rosi und Heinz das andere Mädchen (ich kann mich beim besten Willen jetzt nicht mehr an ihren Namen erinnern). Um es kurz zu machen, Heinz hat dieses Mädchen ungefähr 4 Jahre später geheiratet und ich war drei Monate mit Rosi zusammen.

Wenn ich an Rosi denke, fallen mir viele wunderbare Erlebnisse ein. Ich hätte mir nie vorstellen können, dass ich mich so unsterblich verlieben könnte. Meine Gefühle waren so stark, dass ich auch jetzt noch, 29 Jahre später, immer noch mit einem Gefühl der Liebe und der Dankbarkeit an Rosi zurückdenke und es ist nur recht und billig, dass ich ihr zwischen diesen Zeilen ein Denkmal setze, auch wenn sie es vielleicht nie zu lesen bekommt, denn aus Gründen des Datenschutzes verschweige ich hier ganz bewusst ihren Familiennamen.

Der erste Kuss war im Tanzlokal Penker. Ich hatte noch nie geküsst und ich glaube, ich stellte mich wohl ein wenig unbeholfen an. Ich presste meine Lippen auf die ihren. Die Band spielte an diesem Abend das Lied „Carma Camelon“ von der Gruppe Culture Club. Sie meinte, dass es sich dabei um ein Äffchen handelte. Ein Freund von mir kam vorbei und erklärte ihr, dass das eine Eidechsenart sei. Auch dieses Erlebnis ist eigentlich unbedeutend, fällt mir aber immer ein, wenn ich das Lied im Radio höre oder wenn es mein Computer spielt. Ich fuhr sie nach Hause und bevor sie mich verließ küssten wir uns noch zum Abschied leidenschaftlich.

Ich war verliebt, oh Mann, war ich verliebt.

Ich könne Seiten schreiben und je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr Details kommen mir in den Sinn.

Wir waren gemeinsam im Kino und sahen den Film „Der Jäger des verlorenen Schatzes“. Bevor der Film begann lief der Presleysong „Love Me Tender“ und sie wollte von mir wissen, was das auf Deutsch hieße. Damals noch im alten Burgkino in Straubing, das jetzt schon lange nicht mehr existiert.

Die Beziehung endete am 31. Dezember 1983. Im Vorfeld wurde schon deutlich, dass ihren Eltern die Beziehung nicht recht war. Aus heutiger Sicht, mit den Erfahrungen aus fast 30 weiteren Lebensjahren, als Vater zweiter Kinder, verstehe ich es fast, denn ihre 17jährige Tochter wurde am Abend von einem jungen Mann abgeholt, den sie weder kannten und der auch nicht daran dachte, sich ihnen vorzustellen. Auf die Idee kam ich aber auch gar nicht nicht. Wenn ich es getan hätte und ich versucht hätte, vertrauen zu ihnen aufzubauen und versucht hätte, ihnen klarzumachen, dass ich kein Mädchenschänder oder Frauenmörder bin, wer weiß, vielleicht wäre mein Leben anders verlaufen.

Am Silvesterabend fuhr ich alleine in ein Tanzlokal. Es war in Au vorm Wald, in der Nähe von Steinburg. Dort hatten wir uns verabredet. Ich sehe mich noch sitzen, ein Spezi vor mir und auf die Tür starrend, die sich ab und zu öffnete und einen neuen Gast eintreten ließ. Es war eine Schwingtür, wie in einem Westernfilm.

Rosi kam und der Abend war zu Ende, noch bevor er überhaupt begonnen hatte. Sie erklärte mir, dass sie mich nicht mehr treffen könne und das ich sie vergessen solle. Ich war fertig, sogar außerstande zu weinen und fuhr bald nach Hause, denn nachdem mir Rosi das mitgeteilt hatte, tanzte sie mit anderen und sah mich nicht mehr an.

Ich fuhr nach Hause. Auch dieses Bild steht noch deutlich vor mir. Natürlich, je mehr Gefühle (ob positiv oder negativ ist dabei nicht wichtig) bei einem Erlebnis vorhanden sind, desto mehr bleibt es im Gedächtnis zurück. Ich saß zu Hause auf meine Bett und starrte ins Leere. Plötzlich trat meine Mutter ins Zimmer, sie hatte meine Schuhe geschehen und sich gedacht, dass irgendetwas nicht stimmte. Meine Mutter war auch traurig über diesen Verlust.

Ich wollte noch nicht aufgeben, schrieb ihr einen Brief, indem ich meine Gefühle für sie versuchte deutlich zu machen. Ich fuhr auch zu ihnen hin und versuchte mit ihnen zu reden, doch es half nichts. Meine Mutter war dabei, doch sie ging nicht mit in das Haus.

Natürlich sahen wir uns noch, denn schließlich war sie nicht aus der Welt. Einmal war ich mit ein paar Freunden beim Kegeln und auch Rosi kam mit ihrer Schwester Claudia.

Dich Zeit, die folgte, war nicht besonders schön. Ich ging jeden Tag in meine Arbeit, die mir mittlerweile so gut von der Hand ging, dass ich draußen meinen Kopf hätte abgeben können. Da ich das nicht konnte, arbeitete ich und dachte an Rosi. Eigentlich dachte ich ständig an Rosi. Ich hoffte, dass ich bald wieder ein Mädchen kennenlernen würde, doch das war nicht der Fall. Ich hatte das Gefühl, das kein Mädchen an Rosi nur annähernd heranreichen könne.

Am 1. April kam ich dann zum Bund und darüber war ich froh, denn die neue Aufgabe, die neue Umgebung lenkte mich ab. Nachdem ich nicht mehr bei S. arbeitete, kamen Elfriede und ich uns etwas näher. Doch bis diese Beziehung so weit war, dass ich sie überhaupt Beziehung nennen kann, vergingen noch einige Monate.

Rosi hatte mittlerweile wieder einen Freund. Ich sah sie gelegentlich mit ihm und stellte fest, dass er irgendwie ein bisschen Ähnlichkeit mit mir hatte.

Ich ging in die Berufsoberschule, lernte Mathematik, Physik, Chemie, Englisch und noch viele andere Dinge und ging am Sonntag abend immer noch aus. Nicht mehr nach Bärndorf, das war mittlerweile nicht mehr In, sondern nach Kirchroth, das liegt in der Nähe von Straubing. Wie das Tanzlokal hießt, weiß ich nicht mehr. So irgenewann 1988 traf ich dort Rosi mit ihrer Schwester. Ihr Mann war zu Hause und wir tanzten miteinander und redeten. Ich vermied es über ihren Mann zu reden und erfuhr so auch ihren jetzigen Familiennamen nicht. Sie erzählte mir, dass sie ein Kind, einen Jungen glaube ich, hätte und er durch einen Kaiserschnitt auf die Welt gekommen sein. Ihr Mann wollte nicht zum tanzen gehen, er gehe lieber ins Wirtshaus.

Als ich am nächsten Morgen nach Regensburg fuhr hatte ich ein warmes, weiches, sehr angenehmes Gefühl in mir und ich war froh, Rosi noch einmal gesprochen zu haben.

Meine Schwester sah Rosi in der Vergangenheit noch öfters, denn sie arbeitet in einem Möbelgeschäft und sie kauft dort ab und zu ein. Renate erzählte Rosi auch, dass ich studiert hätte und ein paar Eckpunkte über mein Leben. Ich glaube, Rosi sagte, dass es erstaunlich sei, was man alles zu Wege bringen könne. Vor ein paar Wochen war sie wieder in dem Möbelgeschäft, doch Renate bediente sie nicht, doch sie hatte das Gefühl, dass  Rosi ganz gerne mit meiner Schwester gesprochen hätte. Allerdings war natürlich ihr Mann dabei. Ich habe gestern meine Schwester gebeten, wenn sie sie noch einmal trifft, ihr doch ein wenig von mir zu erzählen und auch ein paar Dinge in Erfahrung zu bringen.

Irgendwie merke ich, dass ich Sehnsucht habe. Nicht nach Rosi, das ist lange her und wir würden wohl kaum mehr zusamenpassen. Nein, ich habe Sehnsucht die Liebe noch einmal zu erleben. Mich noch einmal auf die Reise zu machen in die faszinierende Welt der Leidenschaft, der Sehnsucht nach einem geliebten Menschen. Rosi hat das, über die Zeiten und Jahre hinweg, die seither verflossen sind, zu Wege gebracht und aus diesem Grund gebührt ihr ein Ehrenplatz zwischen den Zeilen dieses Blogs.

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