Culture Club „Karma Chameleon“

Ich sprach gestern von Brücken in die Vergangenheit und das mir solche Brücken ständig begegnen. Heute im Auto hatte ich auch wieder so eine Brücke.

Bayern 1 spielte das Lied „Karma Chameleon“ von Culture Club. Dieses Lied war vor etwa 30 Jahren Aktuell.

Ich war beim tanzen. Es spielte eine Band, die Musik kam nicht vom Plattenteller. Das war damals noch weiter verbreitet, als es heute ist. Ich saß oder vielmehr lag mit Ros in einer der hinteren Tische und wir hatten es uns gemütlich gemacht. Ihre Nähe war angenehm, uns beiden ging es gut. Dann wurde das Lied gespielt. Ein Freund von uns kam an den Tisch. Ich kann mich nicht mehr an den Namen erinnern, doch glaube ich, dass er einige Jahre später – als er nicht mehr zu meinen engeren Bekanntenkreis zählte – bei einem tödlichen Verkehrsunfall ums Leben kam. Ros richtete sich auf und wir begannen über das Lied zu sprechen.

„Das handelt von einem kleinen Äffchen!“, meinte Rosi

„Nein, nein, das ist eine Art Eidechse!“, sagte er zu Rosi und lächelte sie freundlich an.

Dieser kurze Dialog, unbedeutend eigentlich hat sich aus irgendeinem Grund in mein Gedächtnis eingegraben, so wie sich Vieles, was mit Rosi zusammenhing in mein Gedächtnis eingegraben hat.

Ein Jahr später, als die Beziehung zu Ende war, taten diese Erinnerungen weh. Heute, fast dreißig Jahre später, tun sie nicht mehr weh. Jetzt bin ich froh und glücklich, dass mich dieser Mensch drei Monate meines Lebens begleitet hat. Ich lese diesen Satz und er stimmt nicht. Sie hat mich nicht drei Monate begleitet, sie hat mich 29 Jahre fast begleitet und wird mich begleiten bis an den Rest meines Lebens. Wie viele andere Menschen auch, die ich kannte und kenne. Deshalb schwelge ich gerne in der Vergangenheit. Nicht aus Sentimentalität, sondern weil mich alle Menschen, waren sie nun gut oder böse zu mir, mich zu dem gemacht haben, was ich heute bin. Wer mich verstehen will, muss meine Vergangenheit kennen, dann weiß wer auch, warum ich so und nicht anders handle.

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Der Tod meiner Großmutter

Es tut mir leid, dass mein Blog zur Zeit ein wenig Morbide anmutet und mein hauptsächliches Thema der Tod ist. Wer aber vom Tod im Augenblick so berührt wird wie ich, der wird es verstehen, dass man die Geister der Toten und die Geister der Vergangenheit aus allen Winkel und Ecken hervorkriechen sieht.
Ich wollte von meiner Großmutter schreiben. Von der Mutter meiner Mutter, die vor etwa 34 Jahren starb. Sie war etwas älter als meine Mutter jetzt ist. Ich erinnere mich noch sehr gut daran. Ich sehe das Bild vor mir. Ich war wütend, weil meine Mutter traurig war. Meine Mutter war traurig, weil es ihrer Mutter schlecht ging und sie vielleicht sterben musste und ihre Schwägerin hatte ihre Mutter zu einer anderen Tochter abgeschoben. Eine todkranke Frau musste einige Kilometer mit dem Auto gefahren werden, nur weil ihre Schwiegermutter sie nicht pflegen wollte.
Der Tod kam meiner Großmutter im Herbst 1977 sehr nahe. Meine Tante, meine Mutter und ich fuhren nach Regen um sie zu besuchen. Damals, als kleiner Junge hatte der Tod nichts schreckliches an sich. Ich empfand ihn als normal. Man lebte, wurde alt und dann starb man. So war der Lauf der Welt und ich machte mir darüber keine Gedanken. Ich war auch am Sterbebett meiner Oma. Eine alte Frau, das Gesicht voller Falten und eingefallen lag sie da und starrte an die Decke. Meine Tante sagte mir (oder meine Mutter) ich solle sie im Gesicht streicheln, das gefiele ihr. Das tat ich auch. Ich fuhr dann am Abend mit Tante Kuni zurück nach Mitterfels. Ich wollte mir unbedingt einen Film ansehen. „Die Toten Augen von London“, einen Edgar Wallace Film.
Meine Oma starb und Anfang November war die Beerdigung. Wir standen um das Grab herum und froheren. Es kam kein Pfarrer, meine Oma war bei den Zeugen Jehovas. Ich weiß nicht, wer die Grabrede hielt. Mein Großvater stand dabei und murmelte nur immer wieder „Rosa, Rosa“ und wurde von einem seiner Söhne gestützt. Mein Großvater starb 8 Jahre später. Er war übrigens nicht bei den Zeugen Jehovas, was in den letzten Ehejahren immer wieder zu Spannungen zwischen den Eheleuten führte. Da meine Oma viel bei ihrer Tochter Maria (Maral wie sie genannt wurde) war entfremdeten sich die beiden alten Leute zusehends. Meine Mutter erzählte mir immer, dass es zwischen ihren Eltern nie Streit gegeben habe, bis in den letzten Jahren eben.
Ich habe das hier erzählt, weil ich in den letzten Tagen immer wieder daran denken musste. Es ist jetzt über 30 Jahre her, jetzt ist meine Mutter dran und in 30 Jahren bin dann ich dran. Wenn mich nicht auch eine tückische Krankheit zuvor hinwegrafft.

Vor 25 Jahren

Gestern am Silvesterabend gingen meine Gedanken immer wieder zurück zum Silvesterabend vor 25 Jahren. Ich habe darüber schon geschrieben. Es war der Abend als Rosi, meine große Liebe, die Beziehung zu mir beendete.
Ich sehe die Bilder noch vor mir als sei es erst gestern gewesen. Als ich nach Au vorm Wald (in der Nähe von Steinburg und das wiederum in der Nähe von Mitterfels) fuhr. Ich weiß noch genau meinen Platz. Ich sah immer wieder auf die Schwingtür am Eingang. Als Rosi schließlich kam war der Abend auch bald zu Ende für mich. Sie erklärte die Beziehung für beendet und das war es dann auch. Vielleicht für sie, aber noch lange nicht für mich.

Was mich daran immer wieder auf´s neue erschreckt ist die lange Zeit, die seitdem vergangen ist und die mir in der Erinnerung so schrecklich kurz vorkommt. Natürlich, es ist viel passiert. Und doch: Wo blieb die Zeit. Wenn noch einmal 25 Jahre vergehen bin ich ein alter Mann mit 71.

Ich bin mir nicht sicher, ob ich schon geschrieben habe wie es dann weiterging. Diese Trennung war der Beginn einer Lebenskrise, die schließlich erst so 9 oder 10 Monate später einigermaßen beendet wurde.

Ich vögelte meine Chefin

Dies war eine Suchanfrage, mit der mein Blog gefunden wurde. Da ich noch nie eine Chefin hatte (von meiner Frau mal abgesehen und -unter uns gesagt- die habe ich schon oft so richtig durchgevögel, auch wenn es schon einige Zeit zurückliegt) kann es wohl nicht sein, dass ich irgendwann mal darüber geschrieben habe. Neugierig war ich aber dann doch und ich habe diese Suchanfrage in meinen Browser eingegeben. Was las ich da als 5. oder 6. Eintrag? Hermann Sch. war mein Chef in der Zeit vom 1. August 1982 bis zum 31. März 1984. … Er vögelte sie nach allen Regeln der Kunst so richtig durch . Diesen Zusammenhang begriff ich zuerst nicht. Mein ehemaliger Chef stand zwar im Ruf mit allen seinen Hausmädchen ein Verhältnis zu haben (was ich nicht glaube, denn mit einem dieser Hausmädchen war ich über zwei Jahre liiert und ich kann mir nicht vorstellen, dass er mit ihr geschlafen hat. Wobei, ich habe auch nicht mit ihr geschlafen, so kann ich es sicher nicht ausschließen). Kurz: Es handelt sich um zwei unterschiedliche Artikel: Im ersten berichtete ich von der Zeit in der Bäckerei Herman Sch., im zweiten erzählte ich von der Nacht, die ich mit Susanne mal in St. Pauli verbrachte.

1983 – die Welt am Abgrund

Am 26. September 1983 – vor nunmehr 25 Jahren – befand sich die Welt am Rande eines Atomkrieges. Es war im Grunde  die Situation, die in dem Film „Wargames“ beschrieben wurde.

Stanislaw Jewgrafowitsch Petrow war diensthabender Offizier im Serpukhov-15-Bunker etwa 50 km südlich von Moskau. Seine Aufgabe war, den Luftraum mit Computer und Sateliten auf nukelare Angriffe des Feindes (sprich Amerika) zu überwachen. Bei einem Angriff musste er den sofortigen Gegenschlag auslösen. Plötzlich meldete ihm sein Frühwarnsystem den Angriff von Raketen. Anstatt seinen Befehl zu befolgen drücke er nicht auf den Knopf, den es erschien im Unwahrscheinlich, dass die Amerikaner mit nur einer Rakete angreifen würden. Sein Gedankengang erwies sich als Richtig, Das Frühwarnsystem hatte Sonnenreflexionen auf Wolken als Raketenstarts fehlinterpretiert.

Das ich diese Zielen hier schreiben kann verdanke ich Stanislaw Jewgrafowitsch Petrow, vielen Dank dafür.

High Noon

Mein Lehrer, den ich in der Hauptschule, in der 6. Klasse hatte, besaß einen Filmprojektor. Diese Geräte sind heute fast in Vergessenheit geraten. Doch damals gab es noch keine Videokassetten und von DVDs wusste die Menschheit überhaupt noch nichts. So 1976. Von einem solchen Gerät träumte ich immer, denn dann wäre ich unabhängig vom Fernseher gewesen und hätte mir meine Lieblingsfilme ansehen können, wann immer ich Lust dazu hatte.

Es muss kurz vor den Ferien gewesen sein. Zu solchen Zeiten versuchen die Lehrer immer, die Stunden irgendwie um die Runden zu bringen (das dachte ich damals freilich noch nicht, das ist mir erst heute klar, nachdem ich über zwei Jahre selber unterrichtet habe). Er brachte seinen Filmprojetor mit und fragte, ob wir High Noon kennen würden mit Gary Cooper. Ich auf jeden Fall kannte ihn nicht.

Ich bin mir nicht sicher, aber ich glaube der Film war gekürzt. Das tut aber auch nichts zur Sache. Ich erlebte den Film als sehr, sehr spannend. Ich zitterte und  bangte mit dem Helden mit und war erleichtert, als er es dann doch überlebte.

Später, ich war schon mit Susanne zusammen habe ich mir dann die Frage gestellt, wieso dieser Film eigentlich so spannend ist. Rambo z. B. nimmt es mit ganzen Armeen auf auf der Film erreicht nicht den Bruchteil der Spannung, so wie ihn High Noon aufbaut.

Hier, an diesem Film kann man exemplarisch den Einfluss von Optimismus und Pessimismus studieren. Rambo, genauso wie Superman, Spiderman oder Batman oder auch James Bond sind Superhelden. Wenn Sie heute in einen neuen James Bond Film gehen, dann wissen sie sicher, dass James Bond diesen Film überleben wird.

Anders Sheriff Kane. Er ist kein Superheld. Ihm geht es besch… Er hat Angst. Kurz vor dem Duell weint er, er macht sein Testament und sucht Hilfe, wo er sie kriegen kann. Dieser Pessimismus wirkt so ansteckend, dass der Zuseher nicht anders kann als mitzuzittern und er ist überzeugt, dass Sheriff Kane diesen Tag nicht überleben wird. Auch die Dorfbewohner sind überzeugt, dass der Sheriff sterben wird.

Wenn Sie das nächste Mal glauben, dass alles nur schlecht ist, das alles garantiert schlecht ausgehen wird, dann denken Sie an High Noon und versuchen Sie ihr denken zu ändern, dann geht nämlich alles viel leichter.

Wer Lust hat, kann sich jetzt noch den Anfang des berühmten Western mit dem ebenso berühmten Lied gesungen von Tex Ritter anhören. Viel Spaß!

Boney M. „I´m Born Again“

Lieder helfen beim erinnern, habe ich neulich im Radio gehört. Welch eine triviale Aussage. Mit jedem Lied, mit jedem Video das ich hier präsentiere sind Erinnerungen verbunden. Und Sie haben es schon gemerkt: Ich erinnere mich gerne. Es gibt wenig Dinge in meinem Leben, wo ich sagen könnte, darauf hätte ich gerned verzichtet.

1982. Ich hatte keine Freundin, hatte noch nie eine und wollte gerne eine haben. Was macht man in so einem Falle? Man geht in ein Tanzlokal um Mädchen kennen zu lerne. Nur konnte ich überhaupt nicht tanzen. Also buchte ich in Straubing einen Tanzkurs. Tanzschule Huber. Es war so ein Anfangstanzkurs. Ich brauchte auch keine Patnerin mitbringen. Die Situation war wie in einem Tanzlokal, ich musste die Mädchen auffordern. Hier war der Vorteil, das davon auszugehen war, dass die Mädchen auch tanzen wollten. Wir lernten natürlich auch den Walzer. Langsamer Walzer und Wiener Walzer. Als Beispiel für einen langsamen Walzer haben wir dann nach diesem Lied von Boney M. getanzt. Seither muss ich immer an den Tanzkurs denken, wenn ich dieses Lied höre.

Ach ja, noch etwas: In der letzten Tanzstunde vor dem Abschlussball war Damenwahl. Natürlich wurde ich nicht aufgefordert. Nun sollte man der Dame, von der man aufgefordert wurde einen Blumenstrauß mitbringen und mit ihr den ersten Tanz tanzen. So ein Pech aber auch. Der Tanzlehrer bot mir an, mit seiner Frau zu tanzen. Dazu hatte ich dann auch keine Lust. Ich nahm meine Mutter mit.

Ach, diese Bilder sehe ich vor mir, als sei es erst gestern gewesen.