Bäckerei F.

Eigentlich wollte ich diese Seite Lehrzeit I oder so nennen, doch einfach das Kürzel der Bäckerei anzugeben, in der ich meine ersten Berufserfahrungen machte gefällt mir irgendwie besser.

Ich überlasse mich einfach den Bildern, die aus meiner Erinnerung auftauchten. In unserer Nachbarschaft gab es ein Lebensmittelgeschäft (heute würde man sagen „Tante Emma Laden“). Ich kaufte dort regelmäßig ein, auch Brot. Neben dem Sortiment von unserem ortsansässigem Bäcker, gab es auch immer wieder Brot von der Bäckerei F., das hieß dann F.s Bauernschnitten oder so ähnlich. Gelegentlich, aber nicht so oft, kaufte ich auch ein solches Brot. Aber eher selten. Vielleicht ist mir auch der Brotwagen ( ein weißer VW Kombi mit einer unübersehbaren Werbung begegnet), ich kann es nicht mehr mit Bestimmtheit sagen. Die Bäckerei war mir also ein Begriff. Damals hatten wir Mieter in unserem Haus. Es gab mit diesen Menschen nur Probleme, doch das ist eine andere Geschichte. Auf jeden Fall fand der Mann die Anzeige und zeigte sie meiner Mutter. Sie rief an, wir machten ein Vorstellungggespräch für nächsten Sonntag aus. wir fuhren die acht Kilometer, er beguttachtete mein Zeugnis, war zufrieden damit und wir machten den Lehrvertrag. Das war alles und ich hatte meine Lehrstelle. Nicht als Koch, was ich eigentlich wollte, sondern als Bäcker, doch war ich bis zu diesem Zeitpunkt ohnehin schon ein wenig frustriert und war froh eine Lehre zu haben.

In den Pfingsferien fuhr ich dann mit meinem Bonanzarad zur Bäckerei und half ein wenig mit. Es war ganz schön, doch einen richtigen Eindruck von der Arbeit gewann ich natürlich nicht.

Ich sehe mich heute noch von der Schule nach Hause gehen. Mein letzter Schultag, das Zeugnis über den Quali in der Tasche und ein flaues Gefühl im Magen, denn schließlich wusste ich noch nicht, was auf mich zu kam.

Wir waren zu dritt. Mein Chef, Norbert (Lehrling im 3. Jahr) und ich. Diese Zeit, vor allen Dingen das erste Jahr, war ziemlich hart. Ich weiß nicht, ob ich tollpatschiger war als andere Lehrlinge, doch es ging einiges schief. Irgendwie rechnete ich fast damit, dass er nach einem Monat sagen würde, ich solle mir doch lieber einen anderen Beruf suchen. Doch dieses Thema kam nie zur Sprache.

Der einzige Lichtblick war die Schule. Ich musste zwar in den Stunden davor noch arbeiten, doch ich durfte immer zur Schule gehen. Das war keineswegs selbstverständlich. Immer wieder bekam ich mit, dass einige Lehrlinge einfach nicht zur Schule durften, wenn sehr viel Betrieb war.

Im zweiten Lehrjahr hatten wir dann keinen Lehrling und ich war mit meinem Chef alleine. Die Zeit war auch nicht gerade besonders schön, doch ich erinnere mich jetzt auch nicht mehr an besonders schlimme Erlebnisse. Im Gegenteil: Mein Chef brauchte mich. Ich erinnere mich an eine Aussage von ihm: „Morgen hast du wieder Schule. Wie soll ich nur diesen Tag überstehen!“ Ich fühlte mich richtig glücklich danach. Aber ich durfte zur Schule gehen. Es ging ja auch nicht anders, denn wo hätte das enden sollen. Schließlich konnte ich nicht das ganze Jahr über zu Hause bleiben.

Für mich das Schlimmste war die Trennung von meiner Familie, respektive von meiner Mutter. Mit meinem Vater gab es immer Ärger und ich machte mir Sorgen. Ich fuhr mehrmals in der Woche mit einem Mitarbeiter der Mitterfelser Volksbank mit, der an meinem Arbeitsort wohnte. Das war ganz praktisch.

Ich lernte in diesen drei Jahren die Herstellung von Brot und Semmeln, doch Konditorwaren stellten wir nur sehr wenig her, so dass ich davon nicht sehr viel mitbekam. Wir wir sehen werden, habe ich diesem Manko später noch auf eine ganz andere Art und Weise abgeholfen.

Im dritten Lehrjahr hatten wir dann wieder einen Lehrling, was mich dann ein wenig entlastete.

Ich denke gerade daran, wie viele Erlebnisse da in meinem Gehirn verborgen sein müssen und wie selten ich daran denke. Vielleicht liegt es auch daran, dass es schon so lange zurückliegt.

Über meine Schwindelanfälle habe ich im letzten Eintrag berichtet. Aus irgend einem Grund tauchten sie plötzlich nicht mehr auf. In der Tat waren sie bis zu meinem Studium kein Thema mehr. Mir wurde zwar ab und zu noch schwindlig, doch eigentlich nur sehr selten.

Als meine Lehrzeit zu Ende ging wollte mich mein Chef noch gerne behalten, doch da ich schon meine Arbeitsstelle hatte und ich Tschanni auch nicht länger vertrösten konnte wurde daraus nicht. Später habe ich dann bei ihm immer am Samstag ausgeholfen, sogar ziemlich lange. Bis weit in meine Berufsoberschulzeit. Erst als ich kurz vor dem Studium war beendete ich unsere Zusammenarbeit, da ich einen Ferienjob in einer anderen Bäckerei hatte.

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