Konditorei K.

Am 1. Juli begann ich mit meiner Konditorlehre bei der Konditorei K. in Straubing. Wer sich in Straubing ein wenig auskennt, der weiß jetzt sicherlich schon, welche Konditorei damit gemeint ist, schließlich haben wir die berühmte Agnes Bernauer Torte erfunden und an Weihnachten war bei uns die Hölle los.

Als ich erfuhr, dass ich meine vier Jahre beim Bund jetzt doch nicht absitzen musste, erwachten meine Lebensgeister wieder und ich begann neue Pläne zu machen. Studieren lag bis jetzt noch nicht in meinem Plan, vielmehr dachte ich mir, dass ich das Fachlehrer arbeiten könnte und so entschied ich mich, auf dieser Schiene weiterzumachen. Ich rief einfach bei der Konditorei K. an und wurde zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen. Ich erzählte Elfriede davon und sie war durchaus beeindruckt, dass ich mich bei dieser Konditorei bewerben wollte.

Was sollte ich nun über die zwei Jahre erzählen. Es war nicht leicht, denn es fehlte mir etwas an handwerklichem Geschick und ich verbrachte Stunden in der Backstube und übte das Garnieren mit einer Spitztüte aus Papier und mit Zartbitterschokolade. Wenn mir etwas wichtig ist, dann entwickle ich immer eine ungeheure Energie, das war damals schon so und ist es auch heute noch.

Ich war in der Theorie ein sehr guter Schüler.  Die Abschlussprüfung in Fachtheorie bestand aus einer Reihe von Multiple Choice Fragen. Herr R. , unser Lehrer sagte irgendwann, dass er sich nur an eine Handvoll Schüler erinnern könne, die hier eine Eins bekommen hätten. Ich ging also daran und machte ein paar Übungen und ich bekam tatsächlich bei einem Durchgang 95 Punkte. Herr R. war ziemlich beeindruckt und sagte lächelnd zu mir: „Mal sehen, ob du das auch in der richtigen Prüfung schaffst!“ Ich schaffte es und bekam sogar 97 Punkte. Allerdings stand der Einser doch auf wackligen Füßen, denn ich hatte in Fachzeichnen ein 4. Herr R. gab mir hier allerdings ein paar Punkte mehr und so bekam ich meine 1. Und in der praktischen Prüfung? Hier bekam ich eine drei, nicht berauschend, aber ich war zufrieden.

Als das Ende dieser Zeit nahte, wurde mir schön langsam klar, dass es vielleicht doch keine Zukunft für mich als Bäcker oder Konditor gäbe. Heute muss ich zugeben, es lag nicht an mir, es lag an den Frauen, die ich liebte und die mit mir nichts zu tun haben wollten. Ein klares Bekenntnis von Elfriede zu mir oder von Rosi, vielleicht auch von Doris und ich hätte meinen Weg beibehalten.

Bin ich traurig darüber? Oder denke ich heute, dass diese Ausbildung vergebens war? Nein. Ich bin nach wie vor der Meinung, dass man nie genug wissen kann und ich habe viele wichtige Menschen kennengelernt. Ich möchte diese Zeit in meinem Leben nicht missen, auch wenn ich danach weiter zur Schule ging und diesen Beruf im engeren Sinne niemals ausgeübt habe.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s