Schulzeit

Ich habe mir jetzt 45 Minuten Zeit genommen um über meine Schulzeit zu berichten. Natürlich ist das nicht ausreichend, denn es würde Stoff für einen ganzen Roman abgeben. Es geht natürlich nicht nur um Noten und um Lehrer. Es geht auch um meinen Vater, der zwar nie zu Hause war, wenn er aber hier war machte er unser Leben schwer genug.

Ich schlief während der Woche bei meiner Mutter im Bett. Ich genoss es. Ich weis nicht mehr sicher, ob ich das auch beibehielt als meine Schwester geboren war und langsam größer wurde. Irgendwann glaube ich war ich einfach zu alt dafür und gab es auf. Aber nicht von einem Tag zum anderen, sondern allmählich.

Ich schreibe einfach von Bildern, die in meiner Erinnerung auftauchen. Ähnlich wie Kafka, der in seinen Geschichten oft auch keine chronologische Struktur kennt.

Etwa in der sechsten Klasse tauchten meine Schwindelanfälle zum ersten Mal auf. Kein Mensch wusste, was das war. Ich fuhr von Arzt zu Arzt, war zweimal in der 7. Klasse für jeweils eine Woche im Krankenhaus. Entdeckt wurde nichts. Ich war physisch gesund. So etwa in der 9. Klasse wurden die Anfälle weniger und hörten zwar nicht ganz auf aber quälten mich nicht mehr.

Ich war kein guter Schüler. Den späteren Akademiker (Biologe, Lehrer) erkannte man damals nicht. Eine Szene ist mir noch sehr deutlich in Erinnerung. Ich glaube sogar noch zu wissen, auf welchem Platz ich in der Schule saß, sehr weit hinten. Die Lehrerin fragte, welche Schüler ins Gymnasium wollten und ich meldete mich auch. „Das hat wohl wenig Sinn!“, meinte Frau A. und das war es dann auch. In der 6.Klasse währe ich vielleicht in die Realschule gekommen, doch meine Ambitionen hatte Frau A. gründlich zunichte gemacht. Doch ganze Arbeit hatte sie auch nicht geleistet.

Mich faszinierten Bücher. Eigentlich schon als ich noch gar nicht lesen konnte. Ich wollte unbedingt ein Karl May Buch. Meine Mutter sollte mir dann immer daraus vorlesen, doch sie wollte immer nicht. Die Faszination für das gedruckte Wort (sei es als Buch oder heute in meinem Kindle) hat mich niemals mehr losgelassen.

Als Junge hatte ich einige Berufswünsche. Das ging vom Piloten über Polizisten bis zum Schlagersänger. Zwei sind mir allerdings geblieben und ließen mich nicht mehr los. Der eine war Naturwissenschaftler und der andere Schriftsteller. Mit 11 Jahren bekam ich ein Buch geschenkt das hieß „Mein Spiel und Experimentierbuch“. Etwa 5 Jahre war dieses Buch ein treuer Begleiter. Mehr als einmal habe ich meine Mutter mit irgendwelchen Wünschen genervt, die sie nicht verstand und manche Verkäufer auch nicht so ganz. Ich wollte immer einen Experimentierkasten. Lange Zeit bekam ich keinen, schließlich kauften mir meine Eltern nach langem Hin und Her einen Physikkasten. Ich hätte mir zwar Chemie gewünscht, doch auch dieser machte mir viel Spaß und so baute ich in meinem Zimmer Elektromotoren und Elektromagnet auf. Experimentierte mit elektrischen Schaltungen. Für mich ein sehr wertvolles Geschenk. Wie du weist, wenn du meinen Blog aufmerksam verfolgst, habe ich diesen Traum später Wirklichkeit werden lassen und Biologie studiert, Also kam ich noch zu meinen Chemieexperimenten.
Mein anderer Berufswunsch war Schriftsteller. Da ich viel las konnte ich mich auch sprachlich ganz gut ausdrücken. In der 4. Klasse hieß ein Aufsatzthema „Wie ich einmal sehr Angst hatte“. Ich durfte diesen Aufsatz in der Schule beginnen und zu Hause fertig schreiben. Ich dachte mir eine spannende Geschichte aus: ich wurde von Räubern gefangen genommen und brach wieder aus. Da ich zwar gut schreiben konnte, es aber mit der Rechtschreibung haperte hatte meine Lehrerin ein echtes Problem. Diese Aufsatz wurde sogar im Lehrerkollegium besprochen. Ich weiß das, weil ich meine Lehrerin, die ich in der ersten und zweiten Klasse hatte, mich in der Pause auf diesen Aufsatz ansprach. Dieses Werk war inhaltlich eine glatte 1 aber so voller Rechtschreibfehler dass es doch nur eine 3 wurde. Meine Lieblingsserie damals war übrigens „Die Waltons“, denn John Boy wollte auch Schriftsteller werden und ich sehe ihn heute noch vor mir, wie er am Abend in sein Tagebuch schreibt. Ähnlich wie ich heute meinen Blog führe. Zu schreiben deprimierte mich. Wer viel liest erkennt einen gut geschriebenen Text und ich wusste, gut sind meine Texte nun wirklich nicht.

Aus diesem Dilemma halfen mir zwei Dinge. Eine davon schon fand schon in meiner Schulzeit statt. Ich entwickelte eine große Fähigkeit für das Maschinenschreiben. Ich konnte das 10-Fingersystem schon noch bevor wir es in der Schule lernten. Die andere Entwicklung fand erst nach dem Ende meiner Schulzeit statt, nämlich die Computertechnik und später das Internet. Jetzt war es mir möglich Texte schnell und beliebig zu überarbeiten. Seitdem gefallen mir meine Texte besser.

Also: Ich blieb in der Hauptschule und machte in der 9. Klasse meinen Quali mit dem Notendurchschnitt von 1,75 und suchte mir eine Lehrstelle. Die Idee weiter zu Schule zu gehen kamen mir damals nicht ernsthaft. Sie kam erst später.

Es gibt noch viel über meine Schulzeit zu berichten. Sie dauerte neun Jahre und es ist eine Zeit in der ein junger Mensch sehr viele Entwicklungsschübe durchmacht.

Ach: Über die Rolle meiner Mutter habe ich noch nicht geschrieben. Sie tat ihre Arbeit, erzog mich zu einem nützlichen Mitglied der Gesellschaft. Sie hat meine  für Bücher nie verstanden,kaufte sie mir aber trotzdem, wie sie mir auch eine Puppe gekauft hat. In dieser Rolle blieb sie, auch später.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s