Wehrdienst

Nun komme ich zu einem Kapitel meines Lebens, über das ich selten rede und über das nur sehr wenige Menschen die Wahrheit wissen.

Ich sehe mich im Caé S. stehen und mich von Elfriede verabschieden und ihr das Versprechen abnehmen, das wir uns vielleicht in Ascha beim Penker treffen würden. In der Tat war sie am gleichen Abend beim tanzen und wir schmusten miteinander.

Ein paar Tage später war ich mit meinen neuen Kameraden in Bogen in einem Lokal. Ich lümmelte mich auf die Eckbank und dachte an Elfriede. Die Beziehung ging aber vorerst nicht weiter.

Die ersten drei Monate beim Bund waren durchaus schön. Ich konnte endlich meine Sorgen wegen Rosi vergessen, ich lernte vieles Neues, hatte neue, teilweise sehr nette Kameraden. Ich war immer noch damit beschäftigt meinen Weg im Leben zu suchen und überlegte mir, ob ich nicht vier Jahre dabei bleiben sollte. Ich überlegte nicht lange, sondern unterschrieb die Verpflichtungserklärung. Ich weiß nicht , wie viel sich als Zeitsoldat beworben hatten, es wurden aber nur sehr wenige genommen. Ich war einer davon.

Während meiner Ausbildung durfte ich den Führerschein für das Auto machen. Das nützte mir später wenig, denn diesen hatte ich ja ohnehin schon. Nach der Grundausbildung wurde ich in eine andere Kompanie versetzt. Mein direkter Vorgesetzter hieß S., war früher Maurerhilfsarbeiter und jetzt Oberfeldwebel und dachte, er müsse schreien, um sich durchzusetzen. Wenn mich aber jemand anschreit, dann geht gar nichts mehr, weil ich nervös und unruhig werde. Ich habe das mehrmals schon erlebt, aber niemals so deutlich wie damals beim Bund.

Ich will dich jetzt nicht mit Einzelheiten langweilen, die kommen vielleicht in dem einen oder anderen Posting noch zur Sprache. Auf jeden Fall funktionierte gar nichts mehr, als ich in der zweiten Kompanie war. Meine Funktion war Cheffahrer und ich war neben dem Kompaniechef noch dem oben erwähnte Hauptfeldwebel unterstellt. Mit meinen Kameraden auf der Stube hatte ich auch ein manchmal eher gesanntes Verhältnis. Sie mochten mich nicht, mit den Zettler, wie Zeitsoldaten in der Regel genannt wurden. Das einzige gute war, dass ich nicht mit dem kargen Sold auskommen musste, sondern das ich ganz gut verdiente.

Ein wichtiges Ereignis für mich war die Beförderung. Überlicherweise wurden Soldaten nach einem halben Jahr zum Gefreiten befördert. Manchmal kam es vor, dass einer erst einen Monat später befördert wurde, wenn er sich etwas zu schulden hat kommen lassen. Am Tag der Beförderung stellte ich fest, dass ich als GvD, als Gefreiter vom Dienst, eingeteilt war. Es überraschte mich, denn ich rechnete ja fest damit, dass ich auch befördert würde. Doch das wurde ich nicht. Ich war in der UvD-Kammer und musste zusehen, wie meine Kameraden befördert wurden und ich nicht. Dieses Erlebnis war bis dato eines meiner schlimmsten Erlebnisse überhaupt. Ich hatte mir nichts zu schulden kommen lassen, mein einziger Fehler war vielleicht, dass ich in meinem Denken ein wenig unflexibel war, was wohl an der Angst lag, die ich vor meinem Vorgesetzten hatte, wenn ich irgend einen Fehler machte.

Das halbe Jahr, das darauf folge war furchtbar. Ich wagte mich kaum mehr aus meiner Stube heraus, ging auch nur noch selten zum Mittagessen, denn ich wollte mich vor meinen Kameraden so nicht sehen lassen. Aus heutiger Sicht frage ich mich, warum ich eigentlich nicht Hilfe gesucht habe. Ich pflege Wege zu Ende zu gehen und ich hätte wahrscheinlich die vier Jahre durchgestanden. Doch Gott sei Dank kam es anders. Ganz ehrlich und ich eröte bei diesem Bekenntnis: In dieser Zeit dachte ich ernsthaft an Selbstmord. Es war die einzige Zeit in meinem Leben, an dem ich überhaupt einen solchen Gedanken hatte. Oft, wenn ich mit meinem roten Golf, den ich von meinem Vater, der ebenfalls in diesem Jahr starb, geerbt hatte, nach Hause fuhr, überlegte ich, wie es wäre, wenn ich einfach gegen einen Baum fahren würde. Ich tat es nicht und es war gut so.

Im September kam schließlich die Wende. Ich wurde ins Zimmer des Kompaniefeldwebels gerufen und er teilte mir mit, dass mein Vertrag aufgelöst würde und ich ganz normal den Wehrdienst mit den 15 Monaten abschließen konnte. Als ich das erfuhr lebte ich wieder auf. Ich begann wieder Pläne für meine Zukunft zu machen. Ich arbeitete weiter an meinem Telekolleg und wollte Konditor lernen, um später vielleicht als Fachlehrer zu arbeiten. Ungefähr zu dieser Zeit begann auch meine Beziehung zu Elfriede. Wir schliefen zwar nicht miteinander, aber sie war doch irgendwie meine Freundin und ich habe sie geliebt. Ob so intensiv wie Rosi sei jetzt dahingestellt.

Als diese Zeit vorbei war wurde ich auch in einen anderen Zug versetzt und ich wurde der Fahrer eines Oberleutnants, eines ganz jungen Mannes aus Regensburg, mit dem ich mich sehr gut verstand. Plötzlich wurden meine Leistungen besser und ich wurde am Ende sogar zum Obergefreiten der Reserve befördert. Später hat mich dieser Umstand immer ein wenig nervös gemacht, denn ich hatte Angst, das ich irgendwann zu einer Übung eingezogen würde und ich hatte einfach keine Zeit. Doch es kam nicht dazu.

Wenn ich jetzt darüber nachdenke fallen mir tausende Erlebnisse ein, doch diese Seite soll eine Überblicksseite sein und aus diesem Grund will ich es dabei belassen. Wenn ich irgendwann Lust und Zeit habe, dann gehe ich zurück zu dieser Zeit und schreibe genauer darüber.

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